Die EuroWindPark Aachen KG

Inhalt:

Entstehung der Gesellschaft

Während der Querelen um die Errichtung der Windanlagen hatten Aachener Umweltgruppen im Rahmen der Lokalen-Agenda-21 ein "Forum Windenergie" gebildet, welches sich für den zügigen Ausbau des EuroWindParks und ein Bürgerbeteiligungsmodell stark machte. Politikerinnen von CDU, SPD und DIE GRÜNEN übernahmen die Patenschaft für das Agenda-Projekt. Nachdem die Stawag die weiteren Windenergieplanungen eingestellt hatte, schlug das Agenda-Forum die belgische Genossenschaft Energie 2030 für die Weiterführung und Realisierung des Bürgerwindpark-Konzepts vor.
Der EuroWindPark wurde als Bürgerwindpark konzipiert, um den Bürgern der Region Aachen und der anliegende Grenzgemeinden rentable und ökologisch sinnvolle Anlagemöglichkeiten zu bieten. Die Beteiligten konnten so einen persönlichen Beitrag zur Verbesserung der ökologischen Situation leisten.

Die „Energie 2030 Genossenschaft mbH“ war in Aachen nicht unbekannt, hatte sie doch 1996 den Aachener Umweltpreis erhalten. Die Mitglieder aus verschiedenen Umweltverbänden in Belgien, Luxemburg und Deutschland setzten sich vor allem die praktische Nutzung erneuerbarer Energien und die Förderung des Energiesparens zum Ziel.
So beteiligten sie sich z.B. an einer 500kW-Windanlage in Schleiden und errichteten mit einer 500kW-Windanlage in St. Vith eine der ersten privaten Windanlagen in Belgien. Zur Finanzierung ihrer Projekte verkauft die Genossenschaft Anteilsscheine. Jeder kann – auch heute noch - mit einem Betrag ab 250 Euro Mitglied der Genossenschaft werden und ist dann am wirtschaftlichen Erfolg aller Projekte entsprechend seiner Einlage beteiligt. Auf Vorschlag des Windenergie-Forums der Lokalen Agenda 21 sagte die Stadt Aachen der Genossenschaft nach dem Rückzug der Stawag die vier Windanlagenstandorte 3,4,7,9 im EuroWindPark zu.

Standorte Windenergieanlagen

 

Beteiligungsmodell

Für die Vorbereitung, Finanzierung und Durchführung des 7,5 Mio-Euro-Projekts reichten die Strukturen und die Finanzkraft der Genossenschaft nicht aus. Deshalb wurde zur Umsetzung des Bürgerwindpark-Konzepts die Organisationsform einer WikipediaKommanditgesellschaft (Energie 2030 GmbH & Co. EuroWindPark Aachen KG) gewählt, mit der Genossenschaft als Gründungskommanditistin und Haupt-Anteilseignerin. Die Genossenschaft hält gut 25% des Eigenkapitals von 1,83 Mio. Euro, daneben wurden weitere Kommanditisten gesucht, die sich mit einer Mindesteinlage von je 10 000 Euro an dem Projekt beteiligen konnten.

In der Anfangszeit galt das Beteiligungsangebot nur für Anleger aus Stadt und Kreis Aachen sowie den angrenzenden Gemeinden in Belgien und den Niederlanden, erst danach wurden zur Deckung des verbliebenen Kapitalbedarfs noch einige wenige Anteilseigner von außerhalb aufgenommen.
Die Kommanditisten (Anteilseigner) sind Mitunternehmer; sie sind an allen Chancen und Risiken des Projekts entsprechend ihrer Kommanditeinlage beteiligt. Die Haftung der einzelnen Kommanditisten ist auf ihre jeweilige Einlage beschränkt, nur die für eine KG gesetzlich vorgeschriebene Vollhafterin (Komplementärin), in diesem Falle die Energie 2030 GmbH, haftet mit ihrem Gesamtvermögen. Der Beirat berät die Gesellschaft, erhält aber keine Vergütungen.

Risiken für die Kommanditisten bei Abschluss des Vertrags:

 

Betriebskonzept

Die erforderlichen Flächen wurden von der Stadt Aachen langfristig gepachtet. Im Betriebskonzept wird bei den Anlagen von einer Lebensdauer von 20 Jahren ausgegangen. Sofern danach keine weitere Verwendung möglich ist, muss von einem Abriss der Anlagen und einem Rückbau der Gelände ausgegangen werden, für die auch eine Rückstellung gebildet werden muss. Der Restwert der Einzahlung ist demnach etwa Null.
Als Ausgleich erhalten die Kommanditisten aus den Überschüssen der Gesellschaft Rückzahlungen. Die Überschüsse der Gesellschaft werden auf die Kommanditisten aufgeteilt, der anteilige Gewinn ist von ihnen mit ihrem persönlichen Steuersatz zu versteuern.
In den ersten zwölf Jahren Betriebsdauer sind von der Gesellschaft vor allem die aufgenommenen Kredite zurückzuzahlen. Um die Risiken am Anfang zu reduzieren, wurde mit dem Hersteller Enercon ein Servicevertrag abgeschlossen, der für die ersten 12 Jahre eine 98%ige Verfügbarkeit der Anlagen garantiert. Danach hängt der betriebswirtschaftliche Erfolg vor allem von der Reparaturanfälligkeit der Anlagen ab. So ist typischerweise nach 10-15 Jahren eine Generalüberholung der Rotorblätter nötig. Im zweiten Betriebsjahrzehnt sind insgesamt 2.300.000€ für Reparaturen vorgesehen. Erst nach diesen 20 Jahren lässt sich beurteilen, ob die Anlage für die Kommanditisten ein wirtschaftlicher Erfolg war. Für die ersten zehn Jahre ist eine jährliche Rückzahlung von 6-7% der Einlage vorgesehen, in dem 2.Jahrzehnt von etwa 17%. Diese Entnahmen dürfen nicht mit einer "Verzinsung", verwechselt werden, denn anders als bei einer festverzinslichen Kapitalanlage muss ja auch das eingelegte Kapital im Laufe der Zeit zurückverdient werden. Die Gesellschaft muss ständig relativ große flüssige Mittel (mindestens 50% ders jährlichen Kapitaldienstes) vorhalten, damit die Rückzahlung der Kredite gesichert ist, denn die Einnahmen sind so unregelmäßig wie die Windstromeinspeisung. Mit der Methode des Wikipedia"modifizierten Internen Zinsfußes" wurde eine Wirtschaftlichkeit von etwa 6% prognostiziert.

Kostenplan des Projekts (für 3 Anlagen) gemäß Verkaufsprojekt

Windanlagen, Wege, Netzanschluss, Planung

5.176.000€

94%

Konzeption, Prospekt, Vertrieb, Beratung, Liquidität, Darlehenskosten u. a.

324.000€

6%

Summe

5.500.000€

100%

Der Kostenplan wurde weitgehend eingehalten, die tatsächlichen Investitionskosten betrugen 5,39 Mio Euro.

Finanzierungsplan des Projekts

Kommanditeinlagen für drei Windanlagen

1.380.000€

25%

ERP-Darlehen (Umwelt- und Energiesparprogramm Zinssatz 5,75%)

2.590.000€

47%

DtA-Darlehen (DtA-Umweltprogramm Zinssatz 4,85%)

1.530.000€

28%

Summe

5.500.000e

100%

Das EEG sieht für 20 Jahre eine Stromvergütung von 9,1Cent/kWh vor, der geplante Jahresertrag für drei Windanlagen betrug 8.500.000 kWh/a entsprechend 774.000€. Hierbei wurde eine 9%ige Ertragsminderung ("Parkverlust") wegen der gegenseitigen Abschirmung der Anlagen sowie eine 3%iger Abschlag für Anlagenausfälle berücksichtigt.

 

 

Bau der Anlagen

Zunächst wurde der Bau von 3 Anlagen des Typs Enercon E-66/18.70 geplant und durchgeführt. Im Dezember 2000 wurden die Baugenehmigungen für die ersten 3 Anlagen erteilt, die Ende 2001 in Betrieb genommen wurden. Für die 4. Anlage wurde die Baugenehmigung erst später erteilt, so dass diese erst im Dezember 2002 in Betrieb ging. Für diese 4. Anlage wurden zusätzliche Kommanditeinlagen von 450.000€ eingeworben und entsprechende Finanzierungen bereit gestellt.

Anlagentechnik

Typ

ENERCON E-66/18.70 1,8 MW

Nennleistung

1,8MW

Rotordurchmesser

70m

Nabenhöhe

65m

Anzahl Rotorblätter

3

Material Rotorblätter

GFK

Blattverstellung

je Rotorblatt autarkes System mit Notstromversorgung

Generator

direktgetriebener synchroner ENERCON-Ringgenerator (ohne Getriebe, d.h. Rotor und Generator haben gleiche Drehzahl)

Spannung

400V

Bremssysteme

Aerodynamische Bremse, Rotorhaltebremse

Einschaltgeschwindigkeit

2,5m/s (Windstärke 2 ) mit Rotordrehzahl 8U/min

Nennwindgeschwindigkeit

12,5m/s (Windstärke 6) mit Rotordrehzahl 22U/min

Abschaltgeschwindigkeit 30m/s (Windstärke 11)

Turm

konischer Stahlrohrturm

Massen

Turm 122t; Gondel 94,3t; Generator 47t; je Blatt 4,1t

Maschinenhaus Länge 7,25m; Breite 3,0m; Höhe 3,1m

Windnachführung

Azimutantrieb zur Drehung der Gondel

Leistungsregelung

Luv-Läufer mit aktiver Blattverstellung zur Leistungsregelung (Pitchregelung), autarke Ansteuerung der einzelnen Rotorblätter

Betriebsführung und Steuerung

 

Computergesteuert, voll automatisiert, Begrenzung der Nennleistung bei hohen Windgeschwindigkeiten durch Pitchregelung der Rotorblätter, permanente Fernüberwachung


© Agentur für Erneuerbare Energien

Das Besondere der Enercon-Anlagen ist der Einbau des Generators direkt auf der Rotorwelle. Diese Bauart macht die Anlagen zwar teurer, sie ermöglicht jedoch den Verzicht auf ein fehleranfälliges Getriebe zur Heraufsetzung der langsamen Rotordrehzahl. Die Anlagen sollten deshalb über die gesamte Lebensdauer gerechnet mit geringeren Wartungskosten auskommen. Die Anlagen sind über ein zusätzlich verlegtes Erdkabel an das STAWAG-Umspannwerk Schurzelter Straße angeschlossen.

 

Betriebsergebnisse

Entsprechend des prognostizierten Referenzertrags von 81,6% wird gemäß EEG der erzeugte Strom für einen Zeitraum von 20 Jahren mit 9,1Cent/KWh vergütet. Die bisherigen Betriebsergebnisse stimmen auf etwa 5% mit den Prognosen überein, wenn man die jährlichen meteorologischen Schwankungen berücksichtigt.

Hier seien als Beispiel die Zahlen des in etwa durchschnittlichen Windjahres 2006 angegeben:

Zuflüsse (" Einnahmen") 2006 (in Tausend €)

Einnahmen für gelieferten Strom

1138

Guthabenzinsen

5

Summe

1143

 

Abflüsse ("Ausgaben") 2006 (in Tausend €)

Tilgung Bankdarlehen

-567

Zinsen Bankdarlehen

-161

Wartung (Servicevertrag der Firma Enercon)

-136

Gewerbesteuer

-67

Versicherungen

-10

Raumkosten (Pacht, Miete, Standortpflege)

-18

Ersatzgeld Natur- und Landschaftsschutz

-8

Geschäftsführung, Bürokosten, Steuerberatung, Rückstellungen für Rückbau, u.a.

-47

Strombezug

-3

Summe

-1017

Die Differenz von 126.000 € stand zur Auszahlung an die Kommanditisten zur Verfügung. Dies entspricht etwa 7% der Einlage, also 700€ pro 10.000€ Einlage.

Für die steuerliche Gewinnermittlung ist nicht der obige Vergleich von Konto-Zuflüssen und -Abflüssen, sondern die betriebswirtschaftliche Gewinn- und Verlustrechnung maßgebend. Dabei zählen Darlehenstilgung und Auszahlungen an die KommanditistInnen nicht als Betriebsausgaben, denn sie ändern das Vermögen der Gesellschaft nicht.

Steuerliche Gewinn- und Verlustrechnung (in Tausend €)

Betriebseinnahmen (wie oben)

1143

Wertverlust der Anlagen

-436

Betriebsausgaben (siehe oben ohne Darlehenstilgung)

-450

Gewinn vor Steuern

257

Zur Ermittlung des vom einzelnen Kommanditisten zu versteuernden Gewinnanteils wird dieser "Gewinn vor Steuern" auf die Gesellschafter aufgeteilt. Im vorliegenden Fall ergibt das bei einer Einlage von 10.000 € einen Gewinnanteil von 1410 €. Dieser Betrag zählt als Einkommen des Kommanditisten und ist mit dem persönlichen Steuersatz (bis zu 42%) zu versteuern, obwohl nur ein viel geringerer Betrag ( 700€, s.o.) ausgezahlt wurde. In der Kredittilgungsphase ist der zu versteuernde Gewinn in aller Regel höher als der an den Kommanditisten ausgezahlte Betrag.

Jahreserträge der Anlagen in kWh
Standort im Windpark
3
4
7
9
Summe
2001
 
69.364
51.199
2.817
123.380
2002
43.488
3.195.696
2.962.440
3.018.600
2003
2.871.168
2.589.960
2.374.320
2.524.512
2004
3.351.144
3.084.072
2.755.392
2.981.544
2005
3.001.968
2.681.760
2.345.736
2.547.192
2006
3.542.760
3.126.288
2.853.000
3.021.312
2007
3.514.080
3.236.544
2.961.672
3.115.704
2008
3.549.936
3.235.368
2.945.256
3.149.016
2009
3.239.208
2.862.000
2.571.048
2.728.608
2010
2.508.504
2.233.416
2.093.832
2.176.272
2011
3.286.277
2.859.517
2.553.584
2.679.215
2012
3.175.275
2.802.783
2.535.656
2.578.393
2013
3.006.800
2.639.757
2.383.829
2.567.623
2014
3.091.078
2.626.707
2.398.956
2.350.771
2015
3.281.306
3.166.549
2.871.901
3.033.918
2016
2.904.197
2.528.974
2.261.303
2.430.693
Durchschnitt
 
 
 
 
 

Die aktuellen monatlichen Betriebsergebnisse der Windanlagen können der Tabelle der Stawag entnommen werden.

Größere Probleme sind beim Betrieb der Windanlagen bisher nicht aufgetreten.

 

© HK, WW, www.Aachen-hat-Energie.de, 1/2016